Jahresbericht 2025

Thursday, March 5, 2026

Mit dem mittlerweile greifbar nahen Ende des über Jahrzehnte währenden Projekts vor Augen, das durch das Akademienprogramm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften gefördert wurde, setzten wir uns im Laufe des Jahres 2025 mit der zunehmend drängenden Frage auseinander, wie sich die bislang von der RISM-Zentralredaktion erbrachten Dienstleistungen künftig fortführen lassen. Während wir zu diesem Thema auch von der internationalen RISM-Gemeinschaft unter anderem während der gut besuchten „RISM Together“-Sitzung des IAML-Kongresses 2025 fruchtbares Feedback erhielten, diskutierten im Rahmen eines großzügig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Planungsprojekts Vertreter der Staatsbibliotheken in München, Dresden und Berlin sowie der Akademie der Wissenschaften und Literatur in Mainz die pragmatische Handhabung von verschiedenen Aufgabenbereichen der RISM-Zentralredaktion. Die letzten Details zur Fortführung aller Kernaufgaben werden derzeit geklärt, allerdings haben wir bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt den Wissenstransfer von der Zentralredaktion zu den Partnerbibliotheken weit vorangetrieben, um mögliche Beeinträchtigungen für die weltweite RISM-Gemeinschaft nach der Einstellung der (Dank einer “Auslauffinanzierung” bis zum Sommer 2026 arbeitsfähigen) Zentralredaktion so gering wie möglich zu halten.

Schon jetzt machen sich Veränderungen bemerkbar, und mag es kaum verwundern, dass die RISM-Datenbank (im Vergleich zu den Steigerungsraten früherer Jahre) einen nur moderaten Zuwachs ausweist: Derzeit bieten wir etwas mehr als 1.347.000 Handschriftenbeschreibungen zur Recherche an (das sind etwa 30.000 mehr als zu Beginn des letzten Jahres). Unter Berücksichtigung der gedruckten Ausgaben erreichen wir die beeindruckende Gesamtzahl von über 1,6 Millionen Quelleneinträgen. Erwähnenswert ist ebenfalls, dass der Zuwachs bei den Handschriftenbeschreibungen in direktem Zusammenhang mit der ausnehmend produktiven Tätigkeit der deutschen RISM-Arbeitsgruppe steht. Aber auch diese ist vom Auslaufen der finanziellen Förderung durch das Akademienprogramm betroffen und wird nun eine deutlich geringere Anzahl an Datensätzen als in den Jahren zuvor liefern. Aufgrund dessen ist es ein zentrales Anliegen des RISM, die Aktivitäten in denjenigen Ländern zu intensivieren, die die Katalogisierung erst vor Kurzem aufgenommen haben. Zu nennen wären u.a. die Ukraine mit einem Katalogisierungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Ukraine Art Aid Center zur Unterstützung ukrainischer Institutionen bei der Bewahrung ihres musikalischen Erbes. Weiterhin hat Peru erste Schritte unternommen und im Herbst 2025 die ersten Handschriftenbeschreibungen in unsere Datenbank eingegeben.

Ungeachtet der Herausforderungen, denen wir durch die Veränderungen bezüglich der RISM-Redaktion und das künftige Wachstum unserer Datenbank gegenüberstehen, können wir uns in diesen Jahren glücklicherweise auch auf unseren jüngeren internationalen Mitstreiter, das RISM Digital Center in Bern, verlassen. Das Berner Team, das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert wird, um RISM als offene Forschungsinfrastruktur zu entwickeln und zu pflegen, leistet nicht nur technische Unterstützung für die Arbeit der Zentralredaktion; es bringt auch zahlreiche eigene Ideen ein und sorgt auf diese Weise für zusätzliche Impulse, die sich in mehreren neuen Funktionen unserer Katalogisierungssoftware Muscat widerspiegeln.

Die bevorstehende Auflösung der RISM-Zentralredaktion markiert zwar das Ende einer Ära, in der Frankfurt als Drehscheibe des RISM-Universums fungierte, doch hatten die Teilnehmer unserer jährlichen Berichtssitzung während des IAML-Kongresses in Salzburg zweifellos den Eindruck, dass RISM sich nicht in einer Auslaufphase befindet, sondern in letzter Zeit eine entscheidende Phase der Revitalisierung durchlaufen hat. Einige der dort vorgestellten Neuerungen – von den RISM-spezifischen Werknormdaten über die aktualisierte Version des RISM Catalog bis hin zu den neuesten Entwicklungen bei RISM Online – zeugen von einem immer intensiveren Ausbau der technischen Infrastruktur. Andere Entwicklungen – wie die Veröffentlichung der Katalogisierungsrichtlinien von RISM auf unserer Website (derzeit in zwei Sprachen: Englisch und Deutsch) oder die Überarbeitung unserer institutionellen Normdaten in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ländergruppen der IAML – verdeutlichen, wie sehr sich das RISM in letzter Zeit in Richtung Inklusivität und Zusammenarbeit entwickelt hat, eine Tendenz, die in Zukunft sicherlich noch weiter verstärkt werden sollte.

Hervorzuheben ist ebenfalls, dass die seit vielen Jahren erhobenen Nutzerstatistiken des RISM Catalogs keine Anzeichen einer rückläufigen Entwicklung zeigen, obwohl dieselben Daten inzwischen ebenso über RISM Online abgerufen werden können. Auch besteht inzwischen international ein konstantes Interesse an der Katalogisierung neuer Quellen für die RISM-Datenbank: In den Workshops, die wir 2025 am Rand des jährlichen IAML-Kongresses (sowohl vor Ort als auch online) angeboten hatten, nahm eine beeindruckend vielfältige Gruppe von Teilnehmern aus Australien, Brasilien, Estland, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Mexiko, Norwegen, Österreich, Portugal, der Schweiz, der Türkei, Ungarn und den Vereinigten Staaten an einer Einführung in die Grundlagen der RISM-Katalogisierung teil.

Die meisten unserer Benutzer nutzen die Angebote des RISM über das Internet. Dennoch möchten wir abschließend darauf hinweisen, dass wir im Jahr 2025 unsere Reihe gedruckter Kataloge um einen weiteren wegweisenden Band erweitern konnten: Les mélodies de l’hymnaire médiéval – IXe–XVIe siècles – France, herausgegeben von Christian Meyer und veröffentlicht vom Henle Verlag in München (RISM-Reihe B/XIX,1).

Der vollständige Jahresbericht 2025 der RISM-Zentralredaktion ist auf der RISM-Website zu finden.

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Kategorie: Neuerscheinungen


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