Jahresbericht 2020

Balázs Mikusi

Tuesday, March 30, 2021

Der Jahresbericht für 2020 wurde von der RISM Zentralredaktion nun veröffentlicht. Sie können den gesamten Bericht auf der RISM Webseite lesen. Hier sind einige Besonderheiten daraus:

Das Jahr 2020 brachte eine wichtige Veränderung für RISM: Klaus Keil, der fast drei Jahrzehnte lang als Leiter der Zentralredaktion in Frankfurt tätig war, ging Ende August in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Balázs Mikusi, der seine Position an der Spitze der Musiksammlung der ungarischen Nationalbibliothek in Budapest aufgab, um das RISM-Projekt durch die kommenden, mit vielfältigen Herausforderungen gespickten Jahre zu navigieren. Vor allem aber läuft die Förderung durch die Akademie der Wissenschaft und Literatur Mainz, die die Arbeit der Zentralredaktion seit fast vierzig Jahren ermöglicht hat, im Jahr 2023 aus. Da kein ähnlich großzügiger Sponsor in Sicht zu sein scheint, muss RISM Wege finden, die Qualität seiner Daten mit den knapper werdenden redaktionellen Kapazitäten, zu erhalten und zu gewährleisten.

Während die internationalen Arbeitsgruppen immer wieder neue Quellen in die RISM-Datenbank eingepflegen, sind einige größere Importe, die sich auf bereits vorhandene Daten stützen, erwähnenswert. Nachdem im Vorjahr ein Pilotprojekt mit ca. 400 Datensätzen aus dem Katalog der Bibliothèque Nationale de France durchgeführt wurde, wurden im Jahr 2020 fast 20.000 Einträge aus dieser wertvollen Sammlung importiert, gründlich überarbeitet und schließlich im RISM-Katalog. Auch wenn dieses Material nicht alle Musikhandschriften der Bibliothèque Nationale umfasst, ist F-Pn nun das Sigel mit der fünfthöchsten Anzahl an Einträgen in unserer Datenbank.

Ein noch ambitionierteres Projekt ist die Überarbeitung und Erweiterung der italienischen RISM-Datensätze durch den Import von über 200.000 Einträgen aus dem Katalog des Istituto Centrale per il Catalogo unico delle Biblioteche Italiane (ICCU). Neben der schieren Anzahl ist dieses Projekt aufgrund der hohen Zahl an Dubletten (d.h. Quellen, die bereits in der RISM-Datenbank vorhanden sind) besonders herausfordernd, somit werden die ersten Teile dieser Sammlung erst 2021 veröffentlicht werden. In der Zwischenzeit hat jedoch ein anderes “Italien-Projekt” bereits Früchte getragen: Die RISM-Datenbank wurde um fast 3.000 Datensätze, meist Musikhandschriften, aus dem Fondo Cappella Sistina der Biblioteca Apostolica Vaticana (V-CVbav) erweitert, basierend auf den umfassenden Beschreibungen von Professor Thomas Schmidt (University of Huddersfield).

Anfang 2020 wurden auch die Datensätze der Schweizer Musikquellen, die lange Zeit in einem separaten Katalog vorhanden waren, in die RISM-Hauptdatenbank importiert. Die schweizer Arbeitsgruppe arbeitet seitdem auch direkt in der internationalen Installation der Katalogisierungssoftware Muscat (gehostet von der Staatsbibliothek zu Berlin). Dieser Wechsel war ein weiterer wichtiger Schritt in der immer enger werdenden Zusammenarbeit zwischen der RISM-Zentralredaktion und der RISM Schweiz, die inzwischen zum RISM Digital Center umstrukturiert wurde und sich vor allem um die Pflege und Weiterentwicklung von Muscat kümmert.

Im Oktober 2020 umfasste der gesamte Datenbestand im RISM-Katalog 1.425.096 Einträge. Darin ist der Normdatenbestand von 111.863 Titeln aus der Personennormdatei und 70.460 aus der Körperschaftendatei enthalten. Es verbleiben 1.242.773 Titel mit Quellennachweisen, bestehend aus 1.037.859 Titel mit Handschriftenbeschreibungen und 204.014 Musikdrucken. Die beliebten Links zu Digitalisaten konnten inzwischen auf 57.256 erweitert werden. Der Online-Katalog wurde im Monat durchschnittlich von 8.500 Personen bei 27.220 Besuchen genutzt, das sind im Jahr 102.000 Personen bei 326.640 Besuchen mit insgesamt 22.8 Millionen Seitenzugriffen. Alle Daten, die über den Online-Katalog, der in Partnerschaft mit der Bayerischen Staatsbibliothek München angeboten wird, sind Open Data und können direkt aus dem Katalog unter einer Creative Commons Lizenz heruntergeladen werden.

Die weltweite Pandemie hat sich natürlich auch auf RISM ausgewirkt. Während die Zentralredaktion selbst sowie zahlreiche RISM-Mitarbeiter rund um den Globus ihre Planungen an die Restriktionen des Homeoffice anpassen mussten, hat die allgemeine Hinwendung zu neuen Kommunikationsmitteln auch neue Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit eröffnet. So werden die Muscat-Workshops des Editorial Centers, die lange Zeit auf persönlicher Betreuung basierten, seit dem Herbst online angeboten und auch methodisch nach und nach an das neue Medium angepasst. Ebenso haben wir versuchsweise eine virtuelle “Muscat Coffee Hour” veranstaltet, um die Muscat-Katalogisierer über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten und damit auch ein Forum zu etablieren, das längerfristig ein noch direkteres Feedback aus der größeren RISM-Community für die Weiterentwicklung der Katalogisierungssoftware gewährleisten könnte.

Neben den aktiv Mitwirkenden sucht RISM aber auch den ständigen Kontakt zu seinem großen Nutzerkreis. Seit Ende 2020 erleichtert eine neue Website (gestaltet in Zusammenarbeit mit dem RISM Digital Center) das Teilen von Informationen, und auch auf Facebook und Twitter ist die Zentralredaktion mit mehr als 3.800 Fans bzw. über 2.500 Followern aktiv.

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