Zum 200. Todestag von Johann Franz Xaver Sterkel

Dr. Joachim Fischer

Thursday, October 12, 2017

Ein Gastbeitrag von Dr. Joachim Fischer, dem 1. Vorsitzenden der J. F. X. Sterkel-Gesellschaft e.V. und Herausgeber des Sterkel-Werkverzeichnisses (Johann Franz Xaver Sterkel (1750-1817). Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis (StWV), Neustadt an der Aisch: Sterkel Gesellschaft, 2014).

Der Komponist Johann Franz Xaver Sterkel, der am 12. Oktober 1817 gestorben ist, hat Mozart und Beethoven getroffen, aber nie ihre nachhaltige Berühmtheit erlangt. Dabei hat er ein gewaltiges Werk mit über 700 Kompositionen hinterlassen. Aschaffenburg war eine seiner Wirkungsstätten. Deshalb wird im dortigen Stadttheater vom 3. bis 5. November 2017 seine einzige Oper Il Farnace eine deutsche Erstaufführung erleben.

Johann Franz Xaver Sterkel wird am 3. Dezember 1750 in Würzburg geboren. Nach dem Studium für den geistlichen Stand wird er als Organist am Stift Neumünster angestellt. Erste Kompositionen um 1774; über Giovanni Punto kommen seine acht Sinfonien op. 7 und op. 11 nach Paris und feiern in den Jahren 1777 bis 1782 bei der Konzertreihe Concert Spirituel in Paris mit 52 Aufführungen große Triumphe.

1777 wird der Mainzische Minister Graf von Sickingen auf Sterkel aufmerksam und lädt ihn nach Aschaffenburg ein. Der Mainzer Fürstbischof Joseph von Erthal nimmt Sterkel 1778 als Hofklaviermeister in seine Dienste. Er schickt ihn Ende 1779 mit Halbbruder Franz Lehritter zum weiteren Studium nach Italien. Die Königin von Neapel beauftragt ihn, für den Carneval eine Opera zu schreiben. Il Farnace wird anläßlich der Geburtstagsfeier des Königs am 12. Januar 1782 im Theater San Carlo uraufgeführt.

Bis 1787 erscheinen 28 Werke im Druck. Am 3. September 1791 besucht die Bonner Hofkapelle mit dem 21-jährigen Ludwig van Beethoven den berühmten Sterkel in Aschaffenburg, der sie mit seinem »sehr leichten und höchst gefälligen« Klavierspiel beeindruckt.

1793 ernennt der Kurfürst Sterkel zum kurfürstlichen Hofmusikdirektor und Kapellmeister. In dieser Zeit einer kurzen Blüte der Hofmusik entstehen die beiden Sinfonien für Großes Orchester op. 35 in D und in B. Auf welchem Weg diese großartigen Werke in die USA gelangt sind, bleibt noch zu erkunden. Sie werden von den Musici der Moravian Community in Nazareth (Pennsylvania) zwischen 1796 und 1804 je fünfmal aufgeführt!

Sterkel komponiert ab 1797 in Würzburg u.a. vier »edle und andachtsvolle« Messen. Ab1802 erlebt er in Regensburg eine sehr schöpferische und fruchtbare Schaffensphase.

Am 23. August 1810 übernimmt er in Aschaffenburg die Leitung der Hofmusik und begleitet als künstlerische Aufsicht und als kompetenter Berater die Gründung der Musikschule.

Aschaffenburg wird 1814 bayerisch. Sterkel bleibt in Aschaffenburg, komponiert und unterrichtet Gesangsschüler, doch am 1. September 1817 kehrt er in seine Vaterstadt Würzburg zurück und stirbt dort am 12. Oktober 1817.

Johann Franz Xaver Sterkel hinterläßt ein sehr umfangreiches, reichhaltiges und noch weitgehend unerforschtes Œuvre, darunter an die 400 wunderbare Lieder in deutscher und italienischer Sprache.

Der RISM Online-Katalog verweist auf 1.148 Ergebnisse zu Johann Franz Xaver Sterkel.

Darunter befindet sich auch das Autograph zur Oper Il Farnace (D-MÜs SANT Hs 4077a.b.c., RISM ID no. 451018280) und mehr als 70 Verweise auf inzwischen digital vorliegendes Notenmaterial.

Abbildung: Johann Franz Xaver Sterkel, Lithographie von Heinrich Eduard Winter (1788-1829) aus dem Jahr 1816. Aus dem Privatbesitz von Joachim Fischer.

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Kategorie: Jubiläen


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