Workshop der vier „R-Projekte“ in Budapest
Thursday, September 24, 2026
RISM, RILM, RIdIM und RIPM in Budapest: Am 17. und 18. September stellten hochrangige Vertreter der vier sogenannten „R-Projekte“ einem Publikum aus Studenten im Rahmen eines Workshops an der Franz-Liszt-Akademie Aufgaben und Aktivitäten der genannten Organisationen vor. Jedes der vier Projekte war vor Jahrzehnten unter der Schirmherrschaft der International Musicological Society (IMS) und der International Association of Music Libraries, Archives and Documentation Centres (IAML) ins Leben gerufen worden und jedes von ihnen verfolgt die Zielsetzung, den Zugang zu einer bestimmten Art von Musikquellen zu fördern: RISM (Répertoire International des Sources Musicales, gegründet 1952) fokussiert sich auf Musikhandschriften und gedruckte Musikalien, RILM (Répertoire International de Littérature Musicale, gegründet 1966) auf Literatur über Musik, RIdIM (Répertoire International de’Iconographie Musicale auf visuelle Quellen mit Bezug zur Musik und RIPM (Répertoire International de la Presse Musicale, gegründet 1980) auf Musikzeitschriften. Obgleich die „R-Projekte“ ihre Arbeit jeweils auf etwas andere Weise organisieren, teilen sie doch zahlreiche Anliegen, etwa die langfristige Erhaltung der Quellen, mit denen sie sich befassen, oder hochgesteckte Ziele wie die Zugänglichkeit der Quellen für einen ständig wachsenden Kreis an Nutzenden.
An dieser Stelle fokussieren wir uns auf die beiden RISM-Sessions, die am Donnerstagmorgen (17.09.2026) stattfanden. Diese wurden von Balázs Mikusi, Executive Director des RISM Editorial Network, vor einem Publikum von mehr als 40 Teilnehmern präsentiert und umfassten sowohl vortragsähnliche als auch praktische Elemente. Dabei kam ausführlich Robert Eitners zehnbändiges Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon (1900–1904) zur Sprache, das als direktes Vorbild für RISM wirkte – ein Umstand, der um 1950 häufig dazu führte, dass RISM als „der neue Eitner“ bezeichnet wurde, bevor es den französischen Namen erhielt, unter dem wir es heute kennen. Als von großem Interesse erwies sich zudem das freundschaftliche Verhältnis zwischen dem deutschen Musikwissenschaftler Friedrich Blume und dem in Russland geborenen Musikbibliothekar der Bibliothèque national de France, Vladimir Fédorov, da es zu jenen vorteilhaften Gegebenheiten zählt, die sowohl die Gründung des IAML als auch des RISM zu einer Zeit ermöglichten, als eine internationale Zusammenarbeit für viele zwar ein erstrebenswertes Ziel darstellte, sich aber in der Praxis als eine heikle Herausforderung erwies. Mikusi legte dar, dass die Gesamtstruktur von RISM nie einfach zu fassen war und mit der kürzlich vorgenommenen Umstrukturierung, noch komplexer geworden ist, und erläuterte, wie sehr sich die verschiedenen Rollen (und ihre Bezeichnungen) im Lauf der Jahre gewandelt hatten, sodass die langfristigen Ziele, die RISM seit seiner Gründung begleiten, auch unter den sich wandelnden Umständen erfolgreich umgesetzt werden konnten.
Ein Überblick über die zahlreichen Publikationen des RISM bot zudem die Möglichkeit, einen Blick auf die Logik, die hinter der Erstellung neuer Siglen für Körperschaften steht - eines der bekanntesten Merkmale des RISM, auf das sich in der Regel auch Wissenschaftler aus anderen Forschungsgebieten stützen. In Anbetracht des Veranstaltungsortes stand auch ein kurzer Überblick über die RISM-Aktivitäten in Ungarn auf der Tagesordnung, deren Höhen und Tiefen dank der erneut recht intensiven Katalogisierungsaktivitäten der letzten Jahre letztendlich doch mit einer positiven Bilanz abschließen (worüber wir bald ausführlicher auf der RISM-Website berichten werden). Als Höhepunkt des praktischen Teils des Workshops wurden schließlich sowohl RISM Online als auch RISM Catalog ausführlich präsentiert, wobei das Hauptaugenmerk auf einigen hochentwickelten Funktionen lag, die sich für spezifische Forschungsfragen als nützlich erweisen könnten. Ebenfalls wurden die Studierenden ermutigt, in der Trainingsumgebung der RISM-Erfassungssoftware Muscat erste Schritte in der praktischen RISM-Katalogisierung zu unternehmen und dabei anhand der Katalogisierungsrichtlinien zunächst eine einzelne Handschrift und dann eine Sammelhandschrift mit mehreren Kompositionen zu erfassen.
Das Workshop-Team (von links nach rechts): Benjamin Knysak, Nicoletta Betta (beide RIPM), Zdravko Blažeković (RILM), Balázs Mikusi (RISM), Ferenc János Szabó (Franz-Liszt-Musikakademie), Antonio Baldassare (RIdIM).
Die anderen „R-Projekte” präsentierten ihre Arbeit in gleicher Ausführlichkeit und vermittelten dabei zahlreiche Einblicke, die selbst für diejenigen, die bereits grundsätzlich mit den entsprechenden Tätigkeitsfeldern vertraut sind, neu waren. Insgesamt erwies sich der Workshop als großer Erfolg, und wir möchten an dieser Stelle dem Direktor der Bibliothek der Liszt-Akademie, Ferenc János Szabó, für Konzeption und Organisation der Veranstaltung danken, wie auch dem Leiter der Abteilung für Musikwissenschaft, Lóránt Péteri, für die Aufnahme des Workshops in das Lehrangebot der Akademie.
Bild: Schnappschuss vom RISM-Workshop in Budapest während des Katalogisierens einer Musikhandschrift in Muscat (beide Fotos: Ferenc János Szabó).
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