RISM A-Z: Minna Brandes

Tuesday, May 27, 2014

Heute steht der Buchstabe B für Minna Brandes (1765-1788), eine deutsche Komponistin und Sängerin, deren Kompositionen Aufmerksamkeit erregten, vor allem weil sie so jung starb. Die gebürtige Berlinerin stammte aus einer Schauspielerfamilie und starb bereits 23 Jahre später in Hamburg. Als Sängerin, Schauspielerin und Pianistin sie war weithin bekannt in Hamburg und Anna Amalia, C. P. E. Bach und Friedrich der Große sahen sie auf der Bühne. Gegen Ende ihres Lebens schrieb sie die meisten ihrer Kompositionen. Kurz nach ihrem Tod veröffentlichte ihr Vater zusammen mit dem Musikdirektor des Theaters Hamburg, Friedrich Hönicke, ihr kompositorisches Werk unter dem Titel Musikalischer Nachlass.

Die RISM Serie A/I (Einzeldrucke bis 1800) verzeichnet Exemplare von diesem musikalischen Denkmal in Österreich, Belgien, Deutschland und Ungarn (A/I: B 4221). Es handelt sich um eine Sammlung mit zwölf Kompositionen in unterschiedlicher Besetzung (Klavierstücke, Lieder, Arien und Orchesterwerke). Mit einer beeindruckenden Zahl von 518 Abonnenten für diese Publikation war das Interesse an ihrer Musik zu der Zeit sehr hoch. Irgendwann, kurz nachdem diese Publikation herausgegeben wurde, fertigte ein Mann namens Johann Gottlob Conrad eine originalgetreue Abschrift der Druckausgabe an. Das Manuskript gelangte durch die Hände drei anderer Eigentümer in die Universitätsbibliothek Halle (Saale) (D-HAu; RISM-ID-Nr. 230009947).

Brandes’ Fähigkeiten als Sängerin sind bezeugt, dadurch dass sie die Rolle der Konstanze in Mozarts Die Entführung aus dem Serail 1787 in Hamburg sang. In sieben Quellen (allesamt Bühnenwerke) wird sie als Interpretin erwähnt. Bisher gibt es leider noch keine CD-Aufnahmen von ihren Kompositionen.

Bibliographie:

Minna Brandes, Musik und Gender im Internet

Matthew Head,Sovereign Feminine: Music and Gender in Eighteenth-Century Germany (Berkeley: University of California Press, 2013)

Bildnachweis: Lithograph von Heinrich Sintzenich und Rudolf Christian Schade, ca. 18./19. Jahrhundert? Muller Collection, The New York Public Library for the Performing Arts/Music Division

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