Herzlichen Glückwunsch Alexander Dreyschock zum 200. Geburtstag!

Kristina Krämer

Monday, October 15, 2018

Der folgende Beitrag stammt von Kristina Krämer, welche zurzeit ihre Masterarbeit zu Alexander Dreyschock an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verfasst:

Der Pianist Alexander Dreyschock, geboren am 15. Oktober 1818 nahe Prag, verbrachte einen großen Teil seines Lebens auf Konzertreisen durch ganz Europa und maß sich mit Größen wie Liszt und Thalberg. Zunächst nur als Schüler Václav Jan Tomášeks bekannt, erlang er bald größere Berühmtheit durch sein kraftvolles und trotzdem geschicktes Spiel mit der linken Hand sowie seinem insgesamt als feurig empfundenen Klavierspiel. Auch als Komponist war er produktiv – bis zu seinem Tod 1869 erschienen mehr als 140 Werke mit Opuszahl.

Im RISM-Katalog finden sich zwar gerade einmal 21 Treffer zu ihm, doch darunter sind auch Autographen wie beispielsweise ein Albumblatt in e-Moll, das mit Frankfurt, dem 11. Dezember 1843 datiert ist und sich heute in der Sammlung der Universitätsbibliothek in Frankfurt befindet (D-F, Mus. Hs. 884). Es gehörte, wie auch das abgebildete Portrait, einst zur Sammlung des Frankfurter Manskopfschen Museums. Dreyschock hielt sich Ende 1843 für längere Zeit im Rhein-Main-Gebiet auf und notierte das Albumblatt vermutlich für einen Bekannten als Geschenk oder Souvenir – näheres lässt sich vorerst nicht ermitteln. Zu diesem Zeitpunkt eilte ihm bereits ein Ruf als Komponist und Pianist voraus.

Das Jahr 1843 markiert eine wichtige Stelle in seiner Karriere: während er bereits erfolgreich Konzerte in einigen (heute) deutschen, polnischen, tschechischen und russischen Städten gegeben hatte, standen Paris und London noch aus. Dreyschock kam im Januar 1843 in Paris an, wo er innerhalb von drei Monaten etwa ein Dutzend Konzerte gab – viele davon im Salle Erard mit eigenen (noch) unbekannten Kompositionen.

Zu dieser Zeit begannen auch Pariser Verlage wie Maurice Schlesinger seine Klavierstücke zu drucken und La France Musicale fügte seine Nocturne bzw. Bluette op. 16 der Ausgabe vom 22. Januar bei. Dieses Stück wurde zuerst bei J. Hoffmann in Prag veröffentlicht (1842) und ist wahrscheinlich sein populärstes. Über einige Jahrzehnte hinweg bestand Nachfrage, es wurden für diverse Besetzungen arrangiert und zirkulierte in vielen Editionen um die Welt. Allein Hofmeister in Leipzig beispielsweise hat zwischen 1844 und 1858 8.750 Exemplare angefertigt und die Nocturne bis ins 20. Jahrhundert hinein weiterhin gedruckt. Es ist also kein Wunder, dass sie auch in fünf handschriftlichen Sammlungen des RISM-Katalogs erfasst ist.

Doch zurück zum Jahr 1843: Als neue Entdeckung der Saison verließ Dreyschock Paris im April und setzte seinen Erfolg in London fort, wo er u. a. in Konzerten am Hof teilnahm. Die Monate August und September verbrachte er vornehmlich damit, sich an den Rheinufern zu erholen bis er seine Aktivitäten fortsetzte. Dabei nutzte er Frankfurt als Ausgangspunkt, um in die nähere Umgebung zu bereisen. So trat er in Mainz, Darmstadt, Wiesbaden, Offenbach und Hanau auf, wobei die Art der Konzerte sich stark unterschied – einige waren groß angelegt und für wohltätige Zwecke, andere fanden in privatem Rahmen statt. Die Allgemeine musikalische Zeitung resümiert seine Erfolge: „Enthusiasmus aber erregte er in den Städten der Umgegend, […] deren Publicum ihn mit Fêten, Kränzen und Sonetten überschüttete.“ (AMZ 21.2.1844) Außerdem erhielt er das Ehrendiplom des Frankfurter Liederkranzes und wurde zum großherzoglich hessisch-darmstädtischen Hofkapellmeister ernannt. Aus Offenbach dankte man ihm mit einem Gedicht in der regionalen Presse (Didaskalia 4.12.1843):

An Alexander Dreyschock. (Zum Abschied von Offenbach.)

Dem Künstler ward das schöne Loos beschieden, Uns mit dem Ernst des Lebens zu versöhnen, An Edleres die Sinne zu gewöhnen Und unserm Geist Erquickungen zu bieten.

Es sind die Priester, die die Flamme hüten, Die reine Gluth des Guten und des Schönen; In Bildern, wie in Worten und in Tönen Erfreu’n uns ihres Genius reiche Blüthen.

So hast auch Du, ein Liebling der Camöne, Uns mit dem Zauber deiner Kunst beglücket, Du hoher Meister in dem Reich der Töne.

Nimm unsern wärmsten Dank dafür – er drücket Zum Lebewohl die Hand Dir jetzt, die flinke, Doch nicht die rechte nur, auch Deine linke.

Am 2. Dezember 1843. Joseph Pirazzi.

Abbildung: Alexander Dreyschock, Kniestück, Lithografie von Josef Kriehuber. Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg (Frankfurt am Main) S 36/G04012. Online verfügbar.

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Kategorie: Jubiläen


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