Musik für das Orpharion

Thursday, September 3, 2026

Heute möchten wir den Blick auf das Orpharion, ein Zupfinstrument der Renaissancezeit, lenken. Sein Name - in Michael Praetorius’ Syntagma Musicum (Bd. 2, 1619, Tafel XVII) auch “Orpheoreon” - verweist auf zwei Sänger aus der griechischen Mythologie: Orpheus, der mit seiner Musik Menschen und Tiere bezauberte, und Arion von Lesbos, der infolge seines Gesangs von einem Delphin vor dem Tod durch Ertrinken gerettet wurde.

Mit flachem Boden und Metallsaiten gehört das Orpharion zur Familie der Cistern. Wie die etwas größere und (wahrscheinlich) ältere Bandora (oder Pandora) fällt es durch wellenartig geschweifte Zargen auf. Die Datenbank des Musical Instruments Museum Online weist eines der wenigen erhaltenen originalen Exemplare nach.

Mit 7-9 Saitenchören konnte das Orpharion wie eine Laute gestimmt werden, wodurch es möglich war, das umfangreiche Lauten-Repertoire der Zeit um 1600 zu spielen. Aber das Orpharion hat einen längeren Hals, eine größere Anzahl an Bünden und einen weiter in die Höhe reichenden Tonraum als die Laute, der in einigen Kompositionen speziell für dieses Instrument genutzt wurde. Die recht große musikalische und zum Teil auch spieltechnische Nähe zwischen Orpharion, Laute und Bandora drückt sich bisweilen auf den Titelblättern von Tabulaturdrucken aus. Das 1596 in London gedruckte A new Booke of Tabliture (RISM Online | RISM Catalog) beinhaltet sogar je eine Anleitung für das Spiel auf der Laute, das Orpharion und die Bandora. Jeder Anleitung ist ein eigenes Titelblatt vorangestellt, welches das jeweilige Instrument abbildet. Mit beliebten Stücken, etwa von Francis Cutting, John Dowland oder Peter Philips, bewegte sich das Repertoire für das Orpharion in A new Booke of Tabliture auf der Höhe der Zeit.

Bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts neigte sich die Zeit dieses Zupfinstruments seinem Ende zu, wenngleich es in musikhistorischen Werken des 18. und 19. Jahrhunderts Erwähnung fand. Aber im frühen 20. Jahrhundert erwachte im Rahmen der historischen Aufführungspraxis wieder das Interesse am Orpharion, wie einige erhaltene Nachbauten aus dieser Zeit zeigen. Die Datenbank des RISM (RISM Online | RISM Catalogue) weist Drucke aus, die das Orpharion explizit im Titel benennen und damit einen Eindruck von dem Repertoire um 1600 vermitteln.

Darstellung eines “Orpheoreon”, in: Michael Praetorius, Syntagma Musicum Bd. 2 (1619), Tafel XVII, Bayerische Staatsbibliothek 4 Mus.th. 1249-2,2 | Public Domain Mark | RISM B VI, Bd. 2, S. 666.

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Kategorie: Bibliotheksbestände


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