Franz Liszts Donaueschinger Ländler
Wednesday, June 17, 2026
Dieser Beitrag wurde von dem detailreichen Blogeintrag von Wolfgang Seibold: „1843: Liszt in Karlsruhe. BLBlog. https://doi.org/10.58019/4s8s-c334“ (11.03.2026) inspiriert.
Nach ausgedehnten Konzertreisen in der Schweiz, in Italien und vor allem in Frankreich begann im Oktober des Jahres 1843 der weithin gefeierte, teils auch dämonisierte und karikierte Klaviervirtuose und Komponist Franz Liszt eine Tournee durch Süddeutschland. Die Konzerte waren ausverkauft und die Presse überschlug sich vor Überschwang über die pianistische Kunstfertigkeit und das dargebotene Repertoire - meistens handelte es sich um Kompositionen aus Liszts Feder, aber auch Werke anderer Komponisten, etwa Ludwig van Beethoven oder Carl Maria von Weber, kamen zur Aufführung. Am 23. November 1843 erreichte Liszt schließlich die am Rande des Schwarzwalds gelegene Residenzstadt Donaueschingen. Noch am selben Tag wurde er am Hof vorstellig und spielte abends „nach dem Thee“ ein kleines Konzert. Ein Tagebucheintrag der Schlossherrin, Amalie Christine zu Fürstenberg, überliefert das Repertoire, das Liszts am Abend seiner Ankunft zum Besten gab:
- Carl Maria von Weber, Aufforderung zum Tanze. Rondo Brillant in Des-Dur, op. 65
- Liszt, Fantaisie des motifs favoris de l’opéra La sonnambula (LW A56)
- Liszt, Ständchen („Leise flehen meine Lieder“), Nr. 7 aus „Schwanengesang“ (LW A49)
- Liszt., Erlkönig, Nr. 4 aus „Lieder von Schubert“ (LW A42)
- und einen nicht näher benannten „schönen Walzer aus Ems“
Dazu trug der Tenor Luigi Pantaleoni, mit dem Liszt mehrmals zusammen auftrat, zwei italienische Lieder vor. Am 24. November verbrachte Franz Liszt den Vormittag mit einer Probe für das abendliche Konzert im Schloss, das in der damals üblichen Weise gestaltet wurde: Mit einem gemischten Repertoire aus Originalkompositionen und Bearbeitungen – Virtuosenstücke, Lieder und Orchesterwerke – sowie mit weiteren Vortragenden neben der Attraktion des Abends, etwa dem bereits erwähnten Tenor Pantaleoni, der Donaueschinger Hofkapelle als Orchester und einzelnen ihrer Mitglieder mit Solo- und Kammermusik. Am 25. November vermerkte die Fürstin Amalie, dass Liszt ein weiteres Mal zum „Thee“, für den „einige Personen eingeladen“ waren, spielte. Sie erwähnt weiterhin einen „Ländler“, den Liszt für sie komponiert hat. Die Komposition umfasst nur wenige Takte. Bedeutsam für die Nachwelt ist, dass die Fürstin dieses doppelseitig beschriebene Blatt mit Schmuckrand aufbewahrte und dass es seinen Weg von der Donaueschinger Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek in die Badische Landesbibliothek Karlsruhe gefunden hat, wo es heute unter der Signatur Don Mus. Autogr. 39 aufbewahrt (RISM online | RISM Catalog) wird. Die Badische Landesbibliothek stellt das musikalische Zeugnis von Liszts Donaueschinger Aufenthalt als Digitalisat der Öffentlichkeit zur Verfügung. Liszt im Übrigen verließ die Residenzstadt bereits am 26. November in aller Frühe in Richtung Karlsruhe, wo er weitere Erfolge feierte.
Abbildung: Ländler - Don Mus. Autogr. 39 : pf; A|b; RaaL 34 / Franz Liszt. (S.l.), 1843 (1843). Quelle: Badische Landesbibliothek Karlsruhe, Don Mus. Autogr. 39, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-20486 | Public Domain Mark 1.0
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