Der GND-Editor und die Werkebene in RISM
Alexander Faschon und Desiree Mayer
Friday, July 24, 2026
Den folgenden Beitrag stellten uns freundlicherweise Alexander Faschon und Desiree Mayer zur Verfügung. Beide sind angestellt bei der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), wo sie die musikwissenschaftlichen Projekte innerhalb des NFDI4Culture-Konsortiums betreuen.
Seit Anfang 2026 ist eine neue Komponente in Muscat fertiggestellt: Der GND-Editor zum Erstellen von GND-Werknormsätzen. Hervorgegangen aus einer Kooperation zwischen dem RISM Digital Center, der Deutschen Nationalbibliothek und dem Konsortium NFDI4Culture, markiert der Editor für RISM eine wichtige Station auf dem Weg der Normdatenanbindung. Das neue Tool erlaubt das Anlegen von GND (Gemeinsame Normdatei) -Normsätzen zu Werken der Musik aus Muscat heraus. Die folgenden Ausführungen skizzieren die technischen Eigenschaften des GND-Editors und ordnen ihn in die aktuellen RISM-Aktivitäten rund um die Werkebene ein.
Layout und Workflow
Der GND-Editor ist vollständig in Muscat eingebettet – das Layout der Datenmaske ist bekannt, so gestaltet sich der Zugang für Muscat-Erfahrene niedrigschwellig und nutzerfreundlich. Die Datenstruktur entspricht derjenigen eines GND-Werknormsatzes; zu jedem einzelnen Feld existieren daher ausführliche Hilfetexte. Der Schreibzugriff beschränkt sich auf Werke der Musik, Personen oder weitere Entitäten in der GND können mit diesem Tool nicht erstellt werden. Das Bearbeiten von bestehenden Datensätzen ist aus redaktionellen und qualitativen Gründen lediglich eingeschränkt möglich. Zur Absicherung der erforderlichen Datenqualität ist eine Einweisung in die Arbeit mit dem Editor zu absolvieren, die das Team von NFDI4Culture/SLUB Dresden (Desiree Mayer und Alexander Faschon) anbietet.
Voraussetzung für das Anlegen eines Werknormsatzes via GND-Editor ist, dass das Werk noch nicht als Werknormsatz in der GND existiert. Ein eingegebener Datensatz wird beim Abspeichern direkt in der GND gesichert. Bei unvollständig oder nicht regelkonform befüllten Datenmasken verhindert eine Warnmeldung das Abspeichern. Erst nach Korrektur kann der Werknormsatz gespeichert werden. Nach erfolgreichem Speichern erhält der Datensatz sofort eine GND-ID, die Katalogisierende in Muscat wiederum als Worknode (s. u.) nachnutzen können.
Mit diesem singulären Zugriff auf die GND ist Wichtiges für die deutschsprachige musikwissenschaftliche Community erreicht. Zugleich ist der GND-Editor ein Element der neu geschaffenen Werkebene in RISM: Diese umfasst neben dem Editor auch Worknodes, Werktitel und die Möglichkeit, Werkverzeichnisse über Muscat anzulegen.
Worknodes
Ein Worknode ist ein Datensatz für ein musikalisches Werk in Muscat, der als Knotenpunkt für die zu diesem Werk gehörenden Quellen dient.
Voraussetzung für die Erstellung eines Worknodes ist ein entsprechender Werknormsatz in einer Normdatei, dessen ID der Worknode als externe Referenz mit sich führt (nicht zu verwechseln mit der Muscat-internen Worknode-ID). Allen bisher bestehenden Worknodes liegen Datensätze der GND zugrunde.
Jeder Worknode repräsentiert den GND-Werknormsatz der betreffenden Komposition in basaler Form: Werktitel (ggf. Untertitel bzw. Teiltitel), Name und Lebensdaten des Komponisten. Diese werkbezogenen Daten werden bei der Generierung eines Worknodes mittels einer in Muscat implementierten Suchfunktion automatisch aus der GND übernommen.
Funktion eines Worknodes ist die Zusammenführung von RISM-Quellen, die das gleiche Werk repräsentieren, unter einem Identifikator. Zu einem Werk gehörende Quellen können über das Feld 913 in Muscat direkt an den Worknode angeschlossen werden. Quellen, die mit der Werkebene verknüpft sind, können über RISM Online durch die Eingabe der GND-ID via “Create a query” abgefragt werden. Das Suchergebnis listet alle zusammengehörigen Quellen auf.
Werktitel
Das andere Werknormdatenmodul, “Werktitel”, basiert auf Werkverzeichniseinträgen in den Quellendatensätzen von RISM. Genau wie Worknodes dienen auch die Werktitel dazu, Quellen zu einem Werk zu bündeln. Sie gehen aber in ihrem Informationsgehalt über Worknodes hinaus. So beinhalten sie beispielsweise Incipits zur Disambiguierung sowie umfassende Werkinformationen und bilden die wissenschaftlich erarbeiteten Strukturen der jeweiligen Werkkataloge ab. Ein erheblicher Teil der Werktitel wurde automatisch aus den entsprechenden Quelldatensätzen generiert, bevor sie manuell überprüft und bearbeitet wurden.
Während die Werktitel jenes kanonisierte Repertoire repräsentieren, das sich in vorhandenen Werkverzeichnissen niederschlägt, stellen Worknodes die Möglichkeit dar, Knotenpunkte auch für Werke zu schaffen, die weder über einen großen Bekanntheitsgrad noch über einen Eintrag in einem Werkverzeichnis verfügen. Werktitel sollen den Nutzenden als Referenz-IDs auch zur externen Nutzung zur Verfügung sehen; Worknodes hingegen sind von außen nur über die GND-ID referenzierbar.
Mit der Implementierung der Werkebene verbessert sich die Auswertbarkeit und Anschlussfähigkeit von RISM-Daten erheblich: Über die mitgeführten GND-IDs ist RISM mithin auch anschlussfähig an andere Datenhubs wie etwa das Repositorium musiconn.performance, das ebenfalls GND-Werk-IDs mitführt. Auch für die Suche in übergeordneten Systemen – wie dem NFDI4Culture-Knowledge Graphen oder anderen internationalen LOD-Initiativen – ist eine Normdaten-ID essentiell, da Informationen zu Werken damit gebündelt werden.
Durch die Werkebene erhöht sich das musikwissenschaftliche Forschungspotential signifikant, so zum Beispiel in den Bereichen der Netzwerk-, Transfer- oder Rezeptionsstudien. RISM entwickelt sich also weiter: vom bibliothekarischen Nachweissystem für Quellen zum Datenhub.
Share Tweet EmailKategorie: Datenquellen
