Die peruanische Oper und die Musik der Inkas: Das Erbe von José María Valle-Riestra
Giancarlo Carreño Arce
Thursday, November 5, 2026
Den folgenden Beitrag haben wir von Giancarlo Carreño Arce (Universidad Nacional de Música, Lima, Peru) erhalten.
Am 9. November 2026 jährt sich zum 168. Mal der Geburtstag von José María Valle-Riestra, der als einer der wichtigsten Komponisten in der Geschichte Perus gilt. Er war einer der ersten, die musikalische Elemente sowohl aus prähispanischer Zeit als auch aus der Andenregion in größer dimensionierte Werke wie etwa Opern integrierten. Als ebenso bedeutend ist sein Beitrag zur musikalischen Ausbildung in Peru einzuschätzen, deren Modernisierung er mit seinen theoretischen Schriften förderte.
José María Valle-Riestra erblickte im Jahr 1858 in Lima das Licht der Welt. Seine musikalische Ausbildung nahm er im Alter von neun Jahren auf, als seine Eltern ihn nach London mitnahmen. Die wichtigste Phase seiner Ausbildung stellen die Jahre zwischen 1895 und 1897 dar, in denen er am Pariser Conservatoire bei André Gédalge – u.a. Lehrer von Komponisten wie Florent Schmitt und Maurice Ravel - Kontrapunkt, Fugenlehre und Orchestrierung studierte.
Angeregt durch nationalistische Strömungen, die im Anschluss an den Krieg mit Chile auftraten, nahm Valle-Riestra nach seiner Rückkehr nach Peru 1897 zusammen mit dem Librettisten Federico Blume die Arbeiten an der Oper Ollanta (RISM ID no. 1001379753; RISM Catalog | RISM Online) auf. Das dramatische Werk breitet eine tragische Liebesgeschichte aus dem alten Inkareich aus. Die Musik greift traditionelle peruanische Lieder und Tänze wie die Cashua und den Yaraví auf und verbindet sie mit klassischen europäischen Formen. Der Premiere von Ollanta im Jahr 1900 war nur ein mäßiger Erfolg beschieden. 1920 wurde die Oper mit einem überarbeiteten Libretto und neuen musikalischen Arrangements zu neuem Leben erweckt und gleichermaßen von der Kritik und vom Publikum gefeiert.
Portrait von José María Valle Riestra; Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication via Wikimedia Commons.
Ollanta, handschriftliche Partitur, Universidad Nacional de Música (UNM), Lima, Peru. @ Universidad Nacional de Música (UNM) | Giancarlo Carreño (Fotograf). Mit freundlicher Genehmigung.
Valle-Riestras Schaffen umfasst die unvollendete Oper Atahualpa (RISM ID no. 1001381015; RISM Catalog | RISM Online), mehrere Orchesterwerke, einige Kunstlieder, die Motette O salutaris (RISM ID no. 1001367006; RISM Catalog | RISM Online) und ein hochgelobtes Requiem (RISM ID no. 1001389868; RISM Online). Viele seiner Manuskripte befinden sich in der the Biblioteca Nacional del Peru (Bibliothekssigel: PE-Lbnp; RISM Catalog | RISM Online) und in der Bibliothek der Universidad Nacional de Música (Bibliothekssigel: PE-Lcnm; RISM Catalog | RISM Online), früher bekannt als Academia Nacional de Música, an der Valle-Riestra als stellvertretender Direktor gewirkt hatte. Diese Handschriften werden derzeit in RISM verzeichnet; über die RISM-Datensätze (RISM Online | RISM Catalog) sind auch Digitalisate der Werke abrufbar. José María Valle-Riestra strebte danach, mit seiner Musik Elemente der peruanischen Kultur zu bewahren. Sein musikalisches Erbe wird immer wieder aufs Neue entdeckt von Forschern und zeitgenössischen Musikern, die Valle-Riestras Beitrag zum nationalen Erbe und seinen Einfluss auf die Kunstmusik in Peru zu würdigen wissen.
Bild oben links: Erste Seite der digitalisierten Handschrift der Oper Ollanta. @ Universidad Nacional de Música (UNM), Lima, Peru. Mit freundlicher Genehmigung.
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