Luigi Cherubini @ RISM

Martina Falletta

Wednesday, October 20, 2010

Dieses Jahr wird der 250. Geburtstag von Luigi Cherubini (14. September 1760, Florenz – 15. März 1842, Paris) begangen. Von den Zeitgenossen wurde Luigi Cherubini bewundert. Heute stehen seine Werke eher selten auf dem Konzertprogramm oder auf den Spielplänen der Opernhäuser. Cherubini beherrschte das Pariser Musikleben für ein halbes Jahrhundert, war ein erfolgreicher Opernkomponist und langjähriger Direktor des Pariser Konservatoriums. Seine Bedeutung als Komponist liegt vor allem auf den Gebieten der Oper und der Kirchenmusik.

Der musikalische Nachlass enthielt viele Werke Cherubinis im Autograph, als Abschrift oder in gedruckter Form. Es war ein ungewöhnlich vollständiger Bestand, der auf Betreiben der Witwe Cherubinis 1878 in die Königliche Bibliothek Berlin, die heutige Staatsbibliothek zu Berlin (D-B), gelangte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bestände der Bibliothek bekanntlich an verschiedene Orte ausgelagert. Die Cherubini Quellen, vor allem die vor 1794 komponierten Werke, kamen in die Krakauer Biblioteka Jagiellońska (PL-Kj), wo sie heute wieder wissenschaftlich ausgewertet werden können.

Wo die weiteren Quellen überliefert sind, verzeichnen u. a. die verschiedenen Publikationen des RISM. In der Serie A/I „Einzeldrucke vor 1800“ finden sich 497 Nachweise zu Luigi Cherubini, 27 Einträge sind es in der Serie B/II „Recueil imprimés du XVIIIe siècle“ und ca. 1.000 im Online-Katalog. Die im Online-Katalog verzeichneten Quellennachweise zu Cherubini sind im beigefügten pdf-Katalog (22 MB) übersichtlich zusammengefasst und mitverschiedenen Registern versehen.

Diese Nachweise sind nur ein Ausschnitt, denn das Projekt RISM ist bekanntlich ein work in progress. Die umfangreichen Bestände der Pariser Nationalbibliothek (F-Pn) sowie die der o. g. Krakauer Biblioteka Jagiellońska und die Autographensammlung der Staatsbibliothek zu Berlin sind beispielsweise im Online-Katalog noch nicht verzeichnet.

Dafür befinden sich darunter aber zahlreiche Nachweise, die bisher in der Cherubini-Forschung keine Beachtung fanden.

In den letzten Jahren sind die Forschungen um das Werk und Leben Cherubinis wieder etwas in den Vordergrund gerückt. So entstanden verschiedene wissenschaftliche Publikationen (beispielsweise zur Kirchenmusik und den Pariser Opern) und seit 2009 wird eine wissenschaftlich-kritische Edition der Werke Cherubinis unter der Editionsleitung von Prof. Dr. Helen Geyer (Weimar-Jena) veröffentlicht.

Neue Aspekte verspricht das vom 25.-27. November 2010 am Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ und der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfindende Symposion „Luigi Cherubini – vielzitiert, bewundert, unbekannt“. Noch ein großes Desiderat in der Cherubini-Forschung ist ein vollständiges Werkverzeichnis. Bisher sind nur Verzeichnisse zu einzelnen Gattungen (Motetten, Instrumentalmusik) erschienen. Die umfangreiche RISM-Datenbank kann hierzu einen Grundstein legen.

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